Jeder kennt die Situation, wo uns eine Frage gestellt wird und wir sofort spüren, dass das gar nicht die Frage ist, worauf der Fragesteller ein Antwort möchte. Er möchte eigentlich etwas ganz anderes wissen, hat sich aber entschlossen, die Frage so unverdächtig wie möglich zu stellen. Auf eine solche Frage eine gute Antwort zu geben, eine, die dem Fragesteller wirklich etwas nützt, erfordert ein hohes Mass an Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen. In diesem kurzen Beitrag wollen wir der Sache auf den Grund gehen und
Lösungsvorschläge für zielführende Antworten finden
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Was als Erstes zu tun ist
Was können wir also tun, wenn uns jemand ein Frage stellt, die so gar nicht gemeint ist? Ein Beispiel für eine solche Situation ist, wenn wir gefragt werden: “Was machen Sie eigentlich?” In der Regel will der Fragesteller nicht wissen, was wir tun, sondern er möchte wissen wer wir sind. Es geht ihm vielmehr darum herauszufinden, ob er uns trauen kann, was für ein Mensch wir sind. Ein anderes Beispiel ist, wenn wir gefragt werden: “Warum sollte ich Ihr Produkt kaufen?” Dann geht es in der Regel auch nicht um das Produkt, sondern vielmehr um unsere Expertise, die Fähigkeit eine gute Lösung für die Aufgaben vorzuschlagen, welche der Fragesteller gelöst haben möchte.
Ganz wichtig in solchen Situationen ist, dass wir uns gewahr werden, dass unser Gesprächspartner ein Bedürfnis hat, welches zuerst befriedigt werden muss, bevor überhaupt eine echte Kommunikation stattfinden kann. Dies gelingt uns nur, wenn wir
mit der richtigen Absicht in das Gespräch einsteigen
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Was ist die richtige Absicht?
Hier stellt man sich schnell die Frage: “Gibt es eine richtige Absicht, um in ein Gespräch einzusteigen oder ist das nicht stark von der Situation abhängig?” Darüber könnte man lange philosophieren, doch wenn man etwas Distanz einnimmt und das Ganze von einer höheren Warte aus betrachtet, dann versteht man schnell, dass alles, was auf einer stabilen und verlässlichen Grundlage stehen soll, ein gutes Fundament braucht – ganz besonders die Kommunikation. Wenn wir also mit der Absicht in ein Gespräch einsteigen, als erstes unseren Gesprächspartner verstehen zu wollen, dann bietet es sich an, dass wir als Erstes gut zuhören. Zuhören, nachfragen und mit seinen eigenen Worten das Gehörte zu wiederholen, ist ein guter Beginn für ein erfolgreiches Gespräch.
Welche Fähigkeiten braucht es dazu?
Aufmerksam zuzuhören ist gar nicht so einfach. Nicht weil diese Aufgabe an und für sich schwer ist, sondern weil die meisten von uns es sich nicht gewohnt sind. Wir müssen ständig effizient und effektiv sein, wir haben nur die eingeplante Zeit und wir werden an dem gemessen, was wir aus einer Situation rausholen; will heissen, wir sind ständig unter Druck – effektivem und selbstauferlegtem.
Konzentriert zuzuhören und dabei immer präsent zu bleiben braucht viel Energie und vor allem Geduld. Geduld, das Gehörte zuerst anzunehmen, es zu verarbeiten und einzuschätzen und durch Nachfragen oder Wiederholen vom Gesprächspartner validieren zu lassen, so dass wir davon ausgehen können, den Gesprächspartner verstanden zu haben. In den vielen Fällen, wo wir glauben mit jemandem einer Meinung zu sein, ist genau das Gegenteil der Fall. Wir werden es uns nur nicht bewusst, weil wir weder richtig zuhören noch uns die Zeit nehmen nachzufragen. Hier Zeit sparen zu wollen ist die höchste Form der Zeitverschwendung.
Was müssen wir also tun?
Dies ist eine Frage, die wir uns ständig stellen, denken wir nur einmal an die Themen, die uns gerade beschäftigen. Themen wie: Gleichstellung, Diversität, Toleranz, Respekt. Ständig hören wir es Politiker sagen oder lesen es in den Medien: “Was müssen wir tun?”
Aber das ist die falsche Frage. Wir sollten uns vielmehr fragen: “Was wäre möglich wenn…?” Wenn wir also Menschen gleichberechtigt behandeln und wir Toleranz im Umgang miteinander üben würden, wenn wir einander Respekt zollen und uns gegenseitig wertschätzen würden, was wäre dann möglich?
Es ist also wichtig, dass wir uns nicht gefangen nehmen lassen, von dem, was Andere uns fragen, sondern dass wir richtig zuhören und den Menschen das geben, was sie eigentlich wollen, indem wir die Fragen beantworten, die sie in Tat und Wahrheit beschäftigen, jedoch nicht gestellt haben.
Die Kraft der In-10-tion
Nutzen Sie die Kraft der Intention. Die Intention ist eine mächtige Kraft, die Sie und Ihre Gesprächspartner manchmal fühlen, jedoch immer wahrnehmen können. Im Volksmund spricht man davon, dass jemand etwas im Schilde führt. Sprich, eine Waffe hinter seinem Schutzschild versteckt hält, mit anderen Worten, etwas Ungutes vorhat. Genauso wie wir wahrnehmen können, wenn etwas nicht koscher ist, so können wir auch die guten Absichten von Anderen wahrnehmen. Wenn wir also unseren guten Absichten (z.B. jemanden verstehen zu wollen) mittels Gedankenkraft auf Andere übertragen, dann machen wir damit uns und unseren Gesprächspartnern das Leben viel einfacher.
Mental kommunizierte, gute Absichten wirken Wunder. Sie öffnen sowohl uns selbst auch auch unsere Gesprächspartner für Neues und machen Dinge möglich, die wir für unmöglich gehalten haben. Probieren Sie es aus und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit allen.
Tipps aus der Praxis
Hängen Sie in Gedanken jedem Menschen, dem Sie begegnen bewusst eine “10” über den Kopf. Menschen können sich nur in dem Grad entfalten, wie wir es ihnen zutrauen. Sehen wir also jemanden als ein “3”, dann wird diese Person nie in der Lagen sein, eine bessere Leistung als eine “3” an den Tag zu legen. Menschen wachsen in dem Masse, wie wir es von ihnen erwarten. Nicht die Anderen sind limitiert, sonder wir selber sind es, die Andere limitieren.
Quick-Fix
Wenn Sie jemandem in Ihrem Team keine “10” über den Kopf hängen können, dann machen Sie Folgendes: Schreiben Sie 3 Erfolge auf, die diese Person in letzter Zeit hatte und 3 Möglichkeiten, wie die Person in Ihrem Team einen Mehrwert erbringen kann. Gratulieren Sie dieser Person für alles Gute, was sie macht und beginnen sie, ihren Wert anzuerkennen. Wiederholen Sie das solange, bis Sie die goldene “10” über dem Kopf der Person glänzen sehen. Denken Sie immer daran: Sie haben die Kontrolle darüber, was Sie über andere denken.