Textverarbeitungen und Software, um Bücher oder wissenschaftliche Dokumente zu verfassen, gibt es wie Sand am Meer. Nun will Speare mit einem neuen Ansatz diesen Markt für immer verändern. Ob das neue Werkzeug das
Potenzial zur Disruption
hat und wie schnell man einen Nutzen daraus ziehen kann, soll in diesem Review kurz beleuchtet werden.
Speare
positioniert sich denn auch als
Denk-Prozessor
und nicht als Schreib-App. Offensichtlich hat man erkannt, dass es extrem schwer ist, aus dem Dschungel der reinen Textwerkzeuge herauszuragen und überhaupt gesehen zu werden. Die logische Schlussfolgerung: man schafft eine
neue Kategorie
, die man Denk-Prozessor nennt.
Diese Positionierungs-Strategie, die Al Ries und Jack Trout in ihrem Buch
Positioning
so wunderschön einfach erläutert haben, wurde schon von vielen Top-Brands wie Coca Cola, Kleenex oder Tempo erfolgreich angewandt. Ob es dem Team von Speare gelingen wird, genug
Alleinstellungsmerkmale
zu schaffen, die nicht einfach kopiert werden können, bleibt abzuwarten. Die Möglichkeiten dazu sind auf jeden Fall vorhanden.
Anmeldung und Einstieg
Die
Anmeldung
zu Spare ist denkbar
einfach
. Man klickt auf den “Get Started” Button und füllt dann ein einfaches Formular (siehe unten) aus. Die Eingabe oder Hinterlegung einer Kreditkarte ist nicht nötig.
Speare kann für
14 Tage kostenlos
getestet werden, danach ist die App kostenpflichtig. Dafür, dass das Produkt noch unbekannt und auch die Kategorie “Denk-Prozessor” noch nicht etabliert ist, ist die
Testdauer
meines Erachtens
zu kurz
angelegt.
Bis man sich in die Arbeitsweise mit Speare
eingedacht
hat, braucht es etwas Zeit. Wer also Speare neben seiner normalen Arbeit testen will, wird in den 14 Tagen kaum alles lernen können, was er braucht, um beurteilen zu können, ob er langfristig mit der App arbeiten will. Hier macht sich Speare das Leben unnötig schwer.
Nach Ablauf der Testdauer muss man sich entscheiden, ob man
USD 60.- pro Jahr
(4.95/Monat), 30.- pro Quartal (10.-/Monat) oder oder 15.- pro Monat, jederzeit kündbar, bezahlen will. Vom Preisniveau reiht sich Speare in der Bandbreite anderer, ähnlich gelagerter Apps ein. Ein Hinweis darauf, dass man nicht wirklich an eine eigene, neue Kategorie glaubt, ansonsten wäre das der richtige Moment, um einen Musterbruch zu erzielen.
Meines Erachtens hat man hier bereits die
Chance auf
die Schaffung einer n
euen Kategorie verspielt
. Denn wo sonst als beim Preis trennt sich die Spreu vom Weizen?
Onboarding Prozess
Bei der
Anmeldung
tauchen schon die ersten
Schwierigkeiten
auf, denn nach Absenden des Formulars (auf den Brave-Browser) dreht die Software im Leeren, ohne dass man weitergeschickt wird. Das Welcome-Mail landet aber umgehend in der Inbox. Die sogar zweimal, was wahrscheinlich mit dem Hänger während er Registratur zu tun hat. Nachfolgend das Willkommens-Email:
Im Welcome-Mail sind
Links zu drei Videos
angefügt, welche für einen einfachen und
raschen Einstieg
sorgen sollen.
Nachdem man die drei Videos geschaut hat, was weniger als sieben Minuten dauert, ist der
Einstieg
in Speare unerwartet
einfach
. Genau wie in den Videos beschrieben, kann man die Boards erstellen und mit der Eingabe der Texte beginnen. Das erste
Erfolgserlebnis
stellt sich
nach weniger als 10 Minuten
ein.
Am Schluss des Emails findet sich ein
Empfehlungs-Link
, um Speare seinen Freunden empfehlen zu können. Ob dieser Link wirklich genutzt wird, ist fraglich. Scheint es doch
etwas früh
etwas zu empfehlen, was man noch nicht nutzt und womit man auch noch keine Erfahrungen gemacht hat. Hier wäre Geduld angebracht, um zuerst das Vertrauen in die App aufzubauen und über die Leistungen und den Produktnutzen zu überzeugen.
Speare benutzen
Für meinen Test habe ich beschlossen, meine Erfahrungen mit Speare festzuhalten und in einer
Kurzfassung meiner Erfahrung
wiederzugeben, von der Anmeldung über das Onboarding bis hin zur extensiven Nutzung.
Was sofort auffällt, ist, wie einfach es Speare einem macht, seine
Gedanken auf Papier
zu bringen und diese dann erst i
m Nachhinein zu ordnen
. Das nimmt dem Wunsch, alles richtig zu machen, die Kraft und erlaubt es einfach im Moment zu bleiben.
Jeden Impuls
, den man hat, kann man losgelöst von der richtigen Zugehörigkeit
erfassen
und nachträglich am gewünschten Ort einfügen.
Jeder, der schon unter Druck etwas Schreiben musste, zum Beispiel ein Blog Post, der sofort raus muss, weiss, wie rasch da die Kreativität blockiert wird. Nicht so bei Speare. Man hält seine Gedanken fest und ordnet sie erst später, manchmal beim Schreiben oder später bei der Durchsicht.
Die Einfachheit dieser Funktion ist bestechend
und der Nutzen für den Schreibenden riesengross.
Wer oft und viel Unterschiedliches schreiben muss, wird sich rasch mit Speare anfreunden. Dank der
Teamfunktion
, kann Speare auch von mehreren Personen gleichzeitig benutzt werden, was vor allem für
Freelancer
und
Journalisten
ein Vorteil sein wird. Ich habe die Teamfunktion nicht getestet und kann daher noch keine Aussage dazu machen. Hier ein kurzes video, das Speare in Betrieb zeigt.
So einfach wie der Einstieg in Speare ist, so schwierig gestaltet sich dann der Prozess, wenn man Speare richtig verstehen und alle Funktionen anwenden will.
Tiefer in Speare einsteigen
Es gibt zwar unzählige Videos, was man wie mit Speare alles machen kann, aber ein systematischer Aufbau dieser Lernvideos ist nicht zu erkennen. Eher
zufällig entdeckt man die eine oder andere Funktion
, von der man gar nicht wusste, das sie existiert.
So stösst man zum Beispiel auf Dokumente, die toll formatiert sind und man fragt sich: Wie haben die das gemacht?
Auch gibt es Videos, welche Funktionalitäten zeigen, welche so bereits nicht mehr verfügbar oder an einen anderen Ort verschoben worden sind. Das ist
unnötig verwirrend und kontraproduktiv
im Vertrauensbildungsprozess.
Da Speare nicht ganz neu auf dem Markt ist, fragt man sich, warum das Ganze so
unsystematisch aufgebaut
ist? Ist es ein Startup, dem zwischendurch die weitere Finanzierung gefehlt hat oder was ist der Grund, warum das super einfache Benutzerinterface durch inkonsequente Verwendung von Funktionalitäten einen an der Zukunftsfähigkeit der Applikation zweifeln lässt?
Das mag jetzt alles gar kritisch klingen, doch wenn ich eines gesehen habe, dann ist es, dass sich vor allem
diejenigen Applikationen durchsetzen
, welche
einfach und ohne grosse Schulung zu bedienen
sind und genau das tun, was man von ihnen erwartet (oder sogar mehr). In diesem Bereich punktet Speare leider nicht.
Fazit und Beurteilung
Pros
Nachdem ich mich einen halben Tag
intensiv
mit Spear beschäftigt habe, bin ich von dem Werkzeug (und das ist es, was ich hier beurteile) überzeugt.
Mir ist bis jetzt kein anderes Werkzeug begegnet, bei welchem man seine Gedanken so rasch und unkompliziert festhalten und im Nachgang wunschgemäss ordnen kann. Das ist für mich der ganz grosse Vorteil von Speare.
Ich habe während der ganzen Zeit ständig dazugelernt und kann zunehmend mehr Funktionalitäten nutzen. Auch bin ich in der Anwendung immer schneller geworden. Ich gehe davon aus, dass sich das noch stark steigern lässt.
Cons
Auch wenn die App klare Alleinstellungsmerkmale hat und Dinge kann, die sonst keine andere App vermag, ist sie mit dem aktuellen Preis einer kleinen Schicht von Menschen vorbehalten, die ihr Geld mit
Schreiben
verdienen. Die grosse Masse wird sich die App wohl kaum leisten.
Ganz besonders schade finde ich, dass kein systematisches Onboarding vorhanden ist, so dass auch diejenigen, die die App nur sporadisch nutzen wollen, rasch zu einem Erfolgserlebnis kommen. Dem kann jedoch schnell abgeholfen werden und das sollte das Speare-Team unbedingt tun.
Meine Entscheidung
Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mir die App leisten will. Die Arbeitsersparnis rechtfertigt zwar die Investition, doch kommt man bei systematischen Gebrauch mit jedem Textwerkzeug zum selben Resultat.
Es bleibt abzuwarten wie gut Speare künftig mit anderen Apps integriert
, so dass zum Beispiel Blog Posts, Social Media Beiträge uvm. automatisch an der entsprechenden Stelle publiziert werden können. Wenn Speare hier das richtige Fingerspitzengefühl zeigt, kann die App zum Game Changer werden.

