Die neue Unternehmergeneration ist bereit, viel mehr zu geben, als sie nimmt
Sie schiessen wie Pilze aus dem Boden, junge Menschen, die das, was sie beschäftigt, zu einem Geschäft machen und dabei bereit sind, viel mehr zu geben als sie nehmen. Seit im Dezember 2009 das Buch
Drive von Daniel Pink
herausgekommen ist, kann man die drei Hauptmotivationen, die Pink bei jungen Menschen entdeckt hat, immer deutlicher und öfter erkennen. Autonomie, Meisterschaft und (Lebens-)zweck sollen der Antrieb der jungen Menschen sein und das stimmt nirgendwo mehr als bei der jungen Unternehmergeneration.
Sie geben alles weiter, was sie wissen
Wer sich vor allem online informiert und auch weiterbildet, hat schon festgestellt, dass die allerbesten Ratschläge kostenlos zu bekommen sind. Die erfolgreichsten Marketing-Lehrer (Dan Kennedy, Jay Abraham und Rich Schefren) empfehlen nämlich, dass man seine besten Ratschläge kostenlos abgeben soll, so dass schon früh im Kennenlernprozess Vertrauen aufgebaut werden kann. In seinem Buch
Magnetic Marketing
zeigt der Meister der Überzeugung, Dan Kennedy, wie man es schafft, Nachfrage zu generieren, statt potenzielle Kunden zu jagen. Und die Konzepte, die diese Lehrer vermitteln, funktionieren und zwar viel besser als alles was man an einer Spitzenuniversität oder Business School lernen kann. So funktioniert zurzeit die ganze Online-Industrie.
Daneben gibt es aber einen weiteren, spannenden Trend – junge Menschen, die ihre Berufung zum Geschäft machen. Oft sind sie mit ihrem Neun-bis-fünf-Job nicht zufrieden und sind auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens. Dabei stossen sie auf Themen, die sie faszinieren und sie beginnen darüber zu schreiben. Sie starten einen Blog und über Zeit finden sich immer mehr Interessenten ein, die auf einem ähnlichen Weg sind. So werden diese Blog-Autoren zu Autoritäten auf ihrem Gebiet und grosse Inhaltsanbieter wie
Medium
oder
Huffington Post
bitten sie um Gastbeiträge. Indem diese Autoren einfach den Weg ihrer persönlichen Entwicklung beschreiben, werden sie über Zeit zu anerkannten Experten.
Was faszinierend am Weg dieser jungen Menschen ist, ist die Tatsache, dass sie vollkommen offen sind und Andere an ihren Lernerfahrungen teilhaben lassen. Sie geben alles, was sie lernen weiter ohne irgendwelche kommerziellen Hintergedanken. SIe wissen, dass das Feedback, das sie bekommen, ihnen hilft den nächsten Schritt zu erkennen und auch zu gehen. Dadurch, dass ihnen hunderte, oft gar tausende von Menschen folgen, werden sie zu Vorbildern und sie wissen, dass sie gegenüber ihrem Publikum eine Verantwortung haben. Und die nehmen sie wahr, so wie sie es können.
Wer sind Nat Eliason, Derek Sivers und Chris Sparks?
Im Rahmen meiner “personal knowledge management” Ausbildung bin ich an ein Webinar mit
Nat Eliason
eingeladen worden. Nat hat über seine Erfahrungen mit “Notizen machen” gesprochen und gezeigt, wie er dazu das Werkzeug
Roam
benutzt. Ich habe in den 90 Minuten von Nat soviel gelernt, wie ich in einem Jahr nicht hätte lernen können, wäre ich auf mich selbst gestellt gewesen. Die Wissensvermittlung war so gut, dass ich auch etwas dafür bezahlt hätte. Aber Nat machte das kostenlos. Später habe ich erfahren, dass Nat über 250 Bücher zusammengefasst hat und die
Zusammenfassungen hier
kostenlos zur Verfügung stellt. Aus all diesen Erfahrungen hat Nat das Unternehmen
Growth Machine
aufgebaut, welches heute seinen Lebensunterhalt bezahlt, so dass er sich immer mehr auf das konzentrieren kann, was ihn bewegt.
Die Idee Bücher zusammenzufassen ist nicht von Nat, er hat dies bei
Derek Sivers
gesehen. Auch Derek hat über 250 Bücher zusammengefasst, die er
hier kostenlos
zur Verfügung stellt. Derek ist genau wie Nat ein Mensch, der einfach seinen Leidenschaften nachgeht, ohne darüber nachzudenken, ob das strategisch richtig ist und man damit viel Geld verdienen kann. Auf seiner Webseite schreibt der im Jahr 1969 Geborene, dass er nicht mehr für Geld arbeitet und im Ruhestand ist. Das muss der Serienunternehmer, Autor, Musiker und Programmierer auch nicht mehr, denn er hat seine Firma
CD Baby
erfolgreich verkauft und geht weiterhin seiner Berufung, das, was er eben gerade tun muss, nach. Ähnlich wie Nat hat auch Derek mehr gegeben als er genommen hat. Kein Wunder, wurde ihm sein Erfolg quasi geschenkt.
Nicht ganz ins Bild passt hier der professionelle Pokerspieler Chris Sparks, der mit seinem Unternehmen “
The Forcing Function
” (TFF) die nächste Unternehmergeneration befähigen will, anders zu denken, um so ständig Höchstleistungen erbringen zu können. Interessant ist, dass Nat Eliason “zufällig” zu den Kunden von Chris gehört und dank TFF seinen unternehmerischen Durchbruch erzielen konnte. Wo sich hingegen Chris nicht von den beiden vorher Genannten unterscheidet, ist, dass er sein Wissen freigiebig weitergibt. Wer sich auf seiner Webseite registriert, kann kostenlos das Workbook “
Experiment without Limits
” herunterladen. Dieses ist vollgepackt mit Tipps und wegweisenden Anleitungen, mit denen sich mehrere Seminare bestreiten liessen.
Eine Generation von Kreativen
Ich habe Nat, Derek und Chris ausgewählt, weil sie für eine neue Generation von Kreativen stehen. Die Menschen, die sich auf einem ähnlichen Weg wie die drei befinden, sind alles Leute, die die Fähigkeit haben, ihr Wissen und Ihre Erfahrungen in einem digitalen Produkt abzubilden. Damit haben sie die Grundvoraussetzung erfüllt, um sich mit ihrer Arbeit für immer aus dem Hamsterrad zu verabschieden, denn sie tauschen nicht länger ihre Zeit gegen Geld.
Hat sich einmal eine Idee in einem Produkt oder Service manifestiert, kann das Produkt x-mal verkauft werden. Und nicht nur das, auch das Netzwerk der Kreativen kann das Produkt weiterempfehlen und/oder verkaufen und so erreichen diese jungen kreativen Unternehmer in kurzer Zeit ein grosses Publikum.
Zwar verfügt praktisch jeder Mensch über Wissen oder Erfahrung, die jemand anders brauchen könnte, doch zurzeit sind es noch Wenige, die das auch tun. Denn es braucht dazu etwas, was mit harter Arbeit verbunden ist – ein gutes Selbstwertgefühl. Die jungen Kreativen haben kein Problem damit, dass ein Text von ihnen noch nicht ganz ausgereift ist, oder dass die Formatierung ihres E-Books noch nicht so schön ist wie das eines Profi-Self-Publishers. Sobald sie etwas haben, das sie teilen können, wir das verbreitet. Durch das viele Feedback. welches zu Beginn vorwiegend negativ ist, lernen sie, ihre Produkte genauso zu gestalten wie es ihr Publikum mag. Statt an der Kritik zu scheitern, wachsen sie daran.
Sie setzen sich einfache Ziele wie jeden Tag 1’000 Wörter zu schreiben oder einen Blogpost zu veröffentlichen. Durch das Feedback der Leser, die diese Werke wiederum auf sozialen Medien teilen, entstehen täglich neue Abonnenten in den E-Mail-Listen der Kreativen. Sie beobachten das Verhalten ihres Publikums, fragen um ihre Meinung und beziehen sie in ihren Alltag mit ein. So entstehen immer mehr Produkte und Dienstleistungen, die genau das machen, was das Publikum will.
Alles, was sich digitalisieren lässt, wird zum Abo
Digitalisierung ist nicht länger ein Schlagwort der Beratungsindustrie, die durch Angst machen zu neuen Aufträgen kommen will. Nein, die Digitalisierung ist zum Alltag geworden und jeder der ein Produkt oder einen Service hat, der sich digitalisieren lässt und dies nicht tut, wird nicht mehr lange bestehen können.
Immer mehr von dem, was wir konsumieren, wird im sogenannten “subscription model” verkauft. Selbst Autos werden heute als Vollservice im Abo angeboten. Wir nutzen Telekommunikation, Fernsehen, Musik, Filme, Software, alle Arten von Lesematerial im Abo, Tendenz stark steigend. Fast alle diese Dienste nutzen die Kraft der Beziehungen und man bekommt einen Gratis-Monat wenn man einen Dienst einem Freund empfiehlt. Durch Integrationen mit anderen Diensten (Fotos werden automatisch in der Dropbox oder auf Google Drive gespeichert) helfen sich die Dienste gegenseitig die Nutzung zu intensivieren. “OK Google”, Siri und Alexa verbinden sich mit allen möglichen von Hardware-Produkten und machen es uns so möglich, diese noch einfacher zu benutzen und zu steuern.
Damit rückt die Welt noch näher zusammen und jeder ist mit praktisch allem und jedem vernetzt oder verbunden. Schön zu sehen, dass die reine Dominanzstrategie der ganz Grossen von den vielen tausend Klein- und Einzelunternehmern überholt wird, deren Credo ist: “Geben ist seliger denn nehmen.” So gewinnen alle und das Gute hält auf breiter Front Einzug in alle Bereiche des Lebens.