Wenn etwas nicht so läuft, wie es sollte, ist es für die meisten Menschen normal, dass sie sich beklagen.
Sind Andere der Grund dafür, dass es nicht wie gewünscht läuft, dann wird umgehend Kritik geübt, denn der vermeintliche Missstand muss schliesslich beseitigt werden.
Oft ist es sogar so, dass Andere angegriffen werden, um davon abzulenken, dass man selber einen Fehler gemacht hat und diesen nicht zugeben kann.
Warum aber verhalten wir uns so? Was sind die Gründe dafür, dass es uns einfacher fällt andere zu kritisieren, als uns selbstkritisch zu betrachten?
Ein kurzer Ausflug in die Welt der Neurowissenschaften hilft uns dabei, dieses Verhalten zu verstehen.
Warum Kritik nur schadet
Neuro-wissenschaftlich gesehen, ist jede Kritik ein negativer, elektrischer Impuls auf das neuronale Netz eines Menschen; das bedeutet jede Kritik hinterlässt Spuren. Und diese Spuren werden im Gehirn hart-verdrahtet. Sprich, es ist alles andere als leicht, diese “Rillen im Gehirn” wieder zu glätten. Und diese negativen Spuren, über Zeit, fordern ihren Tribut.
Wer regelmässig kritisiert wird, fühlt sich minderwertig, hat ein tiefes Selbstwertgefühl, traut sich nicht viel zu und spürt ständig die Angst im Nacken. Die Angst vor weiterer Kritik.
Diese ständige, unterschwellige Angst führt dazu, dass man sich verkrampft, dass man übervorsichtig ist und um Himmelswillen keinen Fehler machen will. Das Resultat? Es passieren noch mehr Fehler als sonst, es ist wie wenn man die Fehler heraufbeschwören würde. Was man in Tat und Wahrheit auch tut.
So ist es kein Wunder, dass die allermeisten Menschen dem Glauben unterliegen, nicht gut genug zu sein. Und dafür ist zu einem grossen Teil unser Schulsystem verantwortlich. Mit dem Eintritt ins Schulalter werden wir nämlich daran gemessen, wieviele Fehler wir machen. Das heisst, wird werden konsequent mit unseren Schwächen konfrontiert, statt dass wir dafür gelobt werden wieviel wir richtig gemacht haben.
Unsere Aufmerksamkeit wird schon früh auf das gelenkt, was nicht gut oder eben nicht gut genug ist. Keine Wunder also, dass wir so extrem sensibel auf negatives Feedback ansprechen. Wer das weiss und sich dessen auch im Alltag bewusst ist, verzichtet darum auf jegliche Kritik.
Denn um aus Fehlern zu lernen und gemeinsam an den Aufgaben des Lebens zu wachsen, gibt es bessere Methoden als zu kritisieren.
Schauen wir uns das doch einmal genauer an.
Positives Feedback ist Balsam für die Seele
Genauso wie negative Impulse Spuren in unserem Nervensystem hinterlassen, hinterlassen auch positive Impulse ihre Spuren. Jedoch mit einer anderen Wirkung.
Wer oft positives Feedback erhält, fühlt sich gut, ist locker und entspannt und arbeitet grösstenteils im Flow-Zustand.
Genauso wie die Angst die Fehler provoziert, so rufen Glücksgefühle weitere Glücksgefühle hervor, indem sie erfolgreiches Arbeiten vorausschicken.
Das Selbstvertrauen steigt und man lernt freudig dazu, was wiederum dazu führt, dass man besser wird und dementsprechend auch bessere Resultate erzielt. In der Verhaltenspsychologie spricht man in diesem Zusammenhang vom “competence-confidence loop”.
Jeder der einem jungen Hund gutes Verhalten beibringen will, erkennt rasch, dass das Tier um Faktoren rascher auf Belohnung reagiert als auf Kritik.
Warum sollte man sich dieses Wissen also nicht auch im Zusammenleben und Zusammenarbeiten zu Nutze machen?
Wie man Fehler konstruktiv eliminiert
Ein Fehler ist nichts anderes als eine temporäre Kursabweichung und alles, was man tun muss, um den Fehler zu beheben, ist den Kurs zu korrigieren.
Fast jeder, der heutzutage mit dem Auto unterwegs ist, benutzt ein Navigationssystem. Erhält das Navigationssystem eine Staumeldung, so schlägt es dem Fahrer umgehend eine alternative, bessere Route vor. Und genau das ist es, was wir auch tun sollten, wenn während der Arbeit ein Fehler passiert.
Mit Hilfe der Debriefing-Methode wird festgestellt was passiert ist; warum das passiert ist und was man daraus gelernt hat. Gemeinsam beschliesst man die nötige “Kurskorrektur” und hilft einander dabei, diese umzusetzen. Setzt man diese Methode konsequent ein, stellt man schnell fest, dass man aus Fehlern gerne und schnell lernt, was heute eine Kernkompetenz jedes Unternehmens sein sollte.
Fehler zu machen und diese zu korrigieren ist eine höchst wirkungsvolle Art des Lernens. Wenn man einfach nur macht, was einem gesagt wird und dann das gewünschte Resultat eintritt, hat man nichts gelernt. Man hat einfach etwas gemacht, ohne zu wissen warum und ohne zu verstehen welches die unterliegenden Wirkungsprinzipien sind.
Wer Fehler frühzeitig im Prozess macht und eine Methode hat, diese zu korrigieren, hat einen echten Wettbewerbsvorteil. Denn ein solches Team ist in der Lage auch auf unvorhergesehene Situationen rasch zu reagieren und wieder den gewünschten Kurs einzuschlagen.
Fehler mit Hilfe von Debriefings zu analysieren, gemeinsam neue Lösungswege zu erforschen und zu lernen diese erfolgreich zu beschreiten, schweisst ein Team nicht nur zusammen sondern macht es praktisch unschlagbar.
Vormachen und nicht nur einfordern
Es ist an der Zeit, die Frage “Warum Heartfelt Leader keine Kritik üben”, aufzulösen. Die Antwort ist ganz einfach: Weil es keinen Sinn macht!
Nachdem wir gesehen haben, was Kritik bei einem Menschen hervorruft, stellt sich nur noch die Frage: “Wie kann ich es besser machen?”
Auch diese Frage ist bereits zum grössten Teil beantwortet. Denn wir haben gelernt, dass ein Debriefing (analytische Untersuchung eines Ereignisses) nicht nur besser aufgenommen wird, sondern dass auch der Lerneffekt grösser ist. Und genau das ist es, was Heartfelt Leader tun: Sie agieren als Lehrer.
Und zwar nicht in der Form, dass sie alles besser wissen, sondern indem sie die Dinge vormachen. Sie laden die einzelnen Teammitglieder ein zuzuschauen und mitzumachen, dann es mit Unterstützung selber zu machen, bis sie in der Lage sind, den ganzen Ablauf alleine durchzuführen.
Heartfelt Leader sind da, um die einzelnen Mitglieder des Teams zu befähigen, indem sie ihnen dabei helfen, selbständig (selber aber nicht allein) etwas zu lernen.
Das gute Gefühl, mit der richtigen Unterstützung etwas Neues lernen zu können, stärkt das Selbstbewusstsein und die vielen, kleinen Erfolgserlebnisse tragen zu einem ständig wachsenden Selbstwertgefühl bei.
So lernen wir
Jede Form von Lernen läuft grundsätzlich in vier Phasen ab.
Phase 1:
Man ist unbewusst inkompetent
In dieser Phase ist man sich noch gar nicht bewusst, dass man etwas noch nicht kann. Ein gutes Beispiel dafür ist der erste Stunde in der Autofahrschule.
Viele Jahre ist man als Kind im Auto mitgefahren und hat gesehen, wie die Person am Steuer das Auto von A nach B bringt.
Das alles sah relativ einfach aus und man hat rasch das Gefühl bekommen, dass das nicht sehr schwer ist und man das ziemlich sicher auch kann.
Dieser Glaube wird aber in der ersten Fahrstunde jäh zerstört. Plötzlich wird man sich bewusst, dass man überhaupt nicht Autofahren kann und man tritt in Phase 2 des Lernprozesses ein.
Phase 2:
Man ist bewusst inkompetent
Mit jeder Fahrstunde wird man sich mehr bewusst, was man alles noch nicht kann. Das kann soweit gehen, dass man das Gefühl bekommt: Das lerne ich nie!
Dadurch, dass man erkennt, dass man Vieles noch nicht kann, öffnet man sein neuronales Netz dafür, neue Erfahrungen abzuspeichern und daraus Sinn zu machen. Steve Jobs nannte das salopp: Connecting the dots.
Was nichts anderes bedeutet, als dass sich unser Gehirn bewusst und zu einem noch grösseren Teil unbewusst mit den gemachten Erfahrungen auseinandersetzt und darum bemüht ist, daraus eine Erkenntnis zu gewinnen. Jetzt findet echtes Lernen statt.
Mit der Transformation von Erfahrungen in Erkenntnisse tritt man in die Phase 3 des Lernens ein.
Phase 3:
Man ist bewusst kompetent
Durch regelmässiges Autofahren werden die neu erlernten Verhaltensweisen gefestigt und es beginnt sich über Zeit eine Routine zu bilden. Routine ist nichts anderes als eine harte Verdrahtung im Gehirn, was man im Volksmund eine Gewohnheit nennt.
Plötzlich fährt man voll bewusst auf eine Kreuzung zu, blickt automatisch nach links und rechts, schaut in den Innen- und Aussenspiegel, stellt den Blinker und spurt ein um abzubiegen.
Dies läuft alles ganz bewusst ab und man weiss ganz genau, wie gut man das Manöver bewältigt hat. Mit zunehmender Praxis weiss man, dass man jetzt Autofahren kann.
Phase 4:
Man ist unbewusst kompetent
Nach bestandener Fahrprüfung fährt man stolz auf der Strasse umher und entwickelt über Zeit ein bestimmtes Selbstvertrauen.
Nach jahrelanger Fahrpraxis ist man in der Lage, sich im grössten Strassenverkehr sicher zu bewegen, gleichzeitig mit seinen Mitfahrern zu sprechen, Radio zu hören, Telefonanrufe entgegenzunehmen und dabei auch noch etwas zu essen und zu trinken.New Paragraph